
- Im Loisachtal - Tourismusverein
Eigentlich heißt er ja Mühlbach. Doch wer an diesem bunt schillernden Gewässer steht und das Spiel der Farben bewundert, will kaum glauben, dass es sich hier um einen Bach handelt, also um etwas Fließendes. Denn still und verträumt liegen zahlreiche kleinere und größere Tümpel am Fuß des Estergebirges, bilden zusammen eine gluckernde und glucksende Sumpflandschaft: das Pfrühlmoos. Ausgangspunkt unserer Wanderung in diese Idylle ist ein kleiner Ort, den die meisten Menschen nur vom Vorbeifahren und von Meldungen des Verkehrsfunks kennen: Eschenlohe, Endstation der Autobahn München – Garmisch-Partenkirchen.
Ein riesiges Quellgebiet
Hat man Autobahn, Hektik und Geschäftigkeit hinter sich gelassen, empfängt einen das Örtchen Eschenlohe mit beschaulicher Ruhe. Beim kleinen Rathaus lässt sich das Auto problemlos parken, über den Dorfplatz geht es zunächst zur Loisachbrücke. Östlich des Flusses hält man sich rechts zur Mühlstraße, an die sich die Römerstraße anschließt – und schon sind die ausgedehnten Rieder-Wiesen erreicht. Auf breitem Weg strebt man das erste Etappenziel an: „Bei den sieben Quellen“.
Sieben? Es müssen hunderte sein. Überall links und rechts des Weges sprudelt es, wirft Bläschen. Der ganze zum See verbreiterte Mühlbach scheint ein einziges Quellgebiet zu sein. Die Tümpel schimmern durch dicht stehende Bäume und Sträucher. Im Wasser spiegeln sich unzählige Variationen von Farben. Von dunkel lehmig bis türkis reicht die Palette. Viele Wasserpflanzen, meist farnähnliches Gewächs, bedecken die Böden der Teiche, deren glasklares Wasser alle Einzelheiten überdeutlich erscheinen lässt. Wurzeln und Gestein zaubern eigenartig archaische, schroffe Gebirgslandschaften en miniature unter Wasser. Ein verwunschener Ort.
Kuhfluchtgraben bei Farchant
Nur widerwillig reißt man sich los von der kleinen Wunderwelt. Denn bis Oberau sind es noch fünf Kilometer – und das ist erst die Hälfte unseres Fußmarsches. Vorbei geht’s an den großen Schuttmoränen, die vom Archtalkopf herabziehen. Schließlich erreicht man Oberau. Zeit für einen Kaffee.
Unschwer lässt sich dann der Weg nach Farchant finden, der zunächst dem Röhrlbach folgt. Am Fuß des Estergebirges wandert man dem nächsten Abenteuer entgegen: den Wasserfällen des Kuhfluchtgrabens bei Farchant. Kuhflucht – ein seltsamer Name. Und doch bedeutet er genau das, was das Wort meint: eine Zuflucht für Kühe. Denn die Bauern des siebzehnten Jahrhunderts trieben ihre Herden in die enge Schlucht der Wasserfälle, um das Vieh vor den marodierenden Horden der Landsknechte des Dreißigjährigen Krieges zu schützen.
Wassertreten und Tierweitsprung
Durch schöne schattige Waldwege gelangt man zu einer Art Verkehrsknotenpunkt der Wanderwege: eine Brücke, zwei Schutzhütten. Laut Wegweiser dauert der Aufstieg zu den großen Wasserfällen etwa zwanzig Minuten. Manche Wanderer aber brauchen länger, um die Attraktionen entlang der Strecke zu genießen. Die beginnen mit der Kneipp-Anlage (Wassertreten und Armbad), gehen weiter mit dem Tierweitsprung: Wer kann so weit springen wie ein Hase (zwei Meter), oder sogar wie ein Reh (sechs Meter)? Eine Fläche zum Tasten und Fühlen folgt bald danach.
Dem König auf der Spur
Der manchmal steile, aber breite Weg, den bereits König Max II. von Bayern 1858 erklommen hat, führt uns hinaus zu den großen Wasserfällen des Grabens, wo sich das kühle Nass fächerförmig in die Tiefe stürzt. Zeugen aus jüngerer und älterer Vergangenheit erinnern an die Gefahren der Bergwelt. Ein Kreuz steht zum Gedenken an Herbert Gresbek, Gymnasiast aus Starnberg, der 1916 oberhalb der Kuhflucht zu Tode stürzte. Etwas weiter unterhalb sieht man zu seiner Verblüffung einen Stahlträger mitten im reißenden Wildbach: Erinnerung an ein Hochwasser vergangener Jahre, das die Brücke über das Gewässer zerstörte.
Über Hänge und Gräben zur Kuhflucht
Wer weiter hinauf will zur Kuhfluchtquelle, muss schwindelfrei sein und trittsicher. Etwa 45 Minuten dauert der Anstieg über Hänge und Grabenkante. Zurück nach Farchant. Nach ausgiebiger Rast geht es wieder auf den Weg nach Eschenlohe. Zweieinhalb bis drei Stunden muss man bis zum Ausgangspunkt rechnen.
Weitere Informationen: Durch das Loisachtal verläuft der breite, auch für ältere Menschen und kleine Kinder gut gehbare Wanderweg. Nur der Kuhfluchtgraben ist für diese Wanderer nicht zu empfehlen. Hin und zurück etwa 18 Kilometer, Höhenunterschied etwa 50 Meter auf dem Weg, etwa 150 Meter im Graben. Gesamtzeit: rund sieben Stunden.
Anreise: Als Ausgangspunkt bietet sich München an.
Auto: In München den Autobahn-Hinweisschildern Richtung Garmisch-Partenkirchen folgen, bis Ausfahrt Eschenlohe.
Bahn: Werdenfelsexpress München – Garmisch, im Stundentakt, Haltestellen in Eschenlohe und Oberau.
Reisezeit: Nahezu ganzjährig, außer Kuhfluchtgraben im Winter.
