
- Hinweisschild - privat
Der Oberjochpass markiert nicht nur die Grenze zwischen Deutschland und Österreich, er ist auch Schnittpunkt dreier ehemaliger Verkehrswege: Salzstraße, Jakobsweg und süddeutscher Handelsstraße. Oben, auf der Anhöhe des Passes, erinnert ein Gedenkstein an diese Fernwege. Die Inschrift nennt noch eine Römerstraße, die man früher irrtümlich hier vermutete.
Hauptstation in Hindelang
Zu Beginn der Wanderung steigt man die nicht zu steile Anhöhe hinter Schattwald auf. Der Weg am Nordufer des romantischen Haldensees erlaubt einen grandiosen Blick auf das Gewässer, das eingebettet zwischen saftigen Wiesen und dichten Nadelwäldern in der Sonne glitzert. Der historische Salzstadel am Oberjoch existierte nur knapp fünfzehn Jahre, von 1809 bis 1823, denn die Hauptstation der Region befand sich in Hindelang, dessen Bürger eifersüchtig auf ihre Privilegien pochten. Das Gebäude steht aber heute noch. Eine Inschrift weist auf seine ehemalige Bedeutung hin.
Salzhändler errichten Kapelle
Knapp unterhalb des Ortes Oberjoch findet man die Kapelle „Beim Bild“, die von Salzhändlern errichtet wurde, um himmlischen Schutz für die steile und gefährliche Abfahrt zu erflehen. Von Oberjoch führt außerdem ein kleiner, aber lohnender Abstecher nach Jungholz, das früher zum Kloster Stams gehörte, dessen Mönche die Almen bewirtschafteten. Heute präsentiert sich Jungholz dem Besucher als malerisches Bergdorf mit zahlreichen Erholungs- und Sportangeboten. Zwar gehört das Dorf zu Österreich, ist aber auf der Straße nur durch Bayern zu erreichen.
Salzhandel versiegt
In 107 Kurven senkt sich die Ausflugsstraße durch das Ostrachtal 300 Meter hinab nach Hindelang. An der „Kanzel“ sollte man auf jeden Fall anhalten und den Blick auf das wunderschön gelegene Tal genießen. Hindelang selbst versank nach dem Versiegen des Salzhandels zunächst in bitterer Armut, gelangte erst ab der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts durch den Tourismus wieder zu Wohlstand. Ein zweistöckiges Haus mit der Anschrift Marktstraße 22 zeugt vom früheren Wohlstand der Bürger von Hindelang. Das Gebäude, das jetzt eine Apotheke beherbergt, errichtete der Salzfaktor Thomas Scholl im Jahre 1671. Leider sind die drei Geschosse nicht mehr zu sehen, die diesem „Haus mit den drei Kanonenkugeln“ seinen Namen gaben. Sie waren über dem Tor eingemauert und stammten aus österreichischen Geschützen, die 1796 auf die in Hindelang stationierten Franzosen feuerten. Sehenswert ist auch das Hindelanger Rathaus. Es diente einst den Fürstbischöfen von Augsburg als feudales Jagdschlösschen. Bemerkenswert ist vor allem der seitliche Treppenturm.
Auf nach Sonthofen
Von Hindelang folgt die Strecke dem linken Illerufer nach Sonthofen, wo das Heimatmuseum mit seinen regionaltypischen Exponaten lockt Weiter geht es zum „Städtle“, wie Immenstadt gern genannt wird. Dieser anmutige Hauptort der Region liegt herrlich eingebettet zwischen den Allgäuer Alpen, dem kleinen und dem großen Alpsee. Die Immenstädter waren früher nicht nur vom Salz abhängig, sondern machten ihre Stadt zu einem Zentrum des Leinen- und Kornhandels sowie zum Umschlagplatz für Käse, Butter und Schmalz.
Auf dem Weg von Immenstadt nach Simmerberg trifft die Deutsche Queralpenstraße auf den Weg der Salzhändler. Simmerberg selbst bezaubert durch seine Fachwerkbauten im Ortskern, darunter das Salzfaktorhaus. Nicht weit entfernt liegt Weiler mit seinem sehenswerten Westallgäuer Heimatmuseum. Auch eine Führung durch die „Post-Brauerei“ ist zu empfehlen.
Altstadt von Lindau
Auf der alten Salzstraße nähert man sich dann über Scheidegg dem „Venedig am schwäbischen Meer“, der Stadt Lindau. Sie markiert den Endpunkt der Salzstraße die in Hall ihren Anfang nimmt. Die Altstadt von Lindau scheint auf den ersten Blick wirklich im Bodensee zu schwimmen. Am Hafen grüßen die Löwen und der Leuchtturm. Für Lindau sollte man sich etwas Zeit nehmen, vielleicht sogar eine Übernachtung einplanen. Am besten erkundet man die Altstadt gemütlich zu Fuß, schlendert vorbei an der „Heidenmauer“, gelangt zur Fischergasse und zum Gasthof „Alte Post“. Schrannenplatz mit Peterskirche und Diebsturm sind lohnende Ziele, geradezu ein Muss ist der Marktplatz mit dem wohl schönsten Bürgerhaus des Bodenseegebietes. Hier kann die Reise auf dem alten Handelsweg stilvoll ausklingen.
